Aber Avocados…!

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Avocados

Veganer sind Heuchler, weil sie Avocados und Chiasamen essen, Tofu aus Soja vom Regenwald besteht und alle nonstop die Welt umfliegen!!!

Falls du selbst nicht solche Aussagen machst, hast du sie bestimmt bereits gehört oder in irgendeiner Kommentarspalte gelesen. Um ehrlich zu sein… Solche Aussagen hätten von mir sein können.

Dinge wie:

«Veganer sind verantwortlich für die Abholzung des Regenwaldes, wegen ihrem dummen Tofu!»

«Vegan sein und dafür die ganze Zeit Avocados essen!?»

oder auch…und vielleicht der Beliebteste:

«Veganer denken sie machen was für die Umwelt, fliegen danach aber regelmässig um die halbe Welt!» …

Es gibt definitiv mehr und weniger nachhaltige Wege eine vegane Ernährung zu praktizieren. Jeden Tag eine Avocado, einen Liter Mandelmilch und eine Acaibowl beispielsweise. Leider gibt vor allem Social Media den Eindruck, dass Vegan essen, so (und nur so) aussieht.

Es ist wichtig, Veganismus nicht als «Freifahrtticket» zu sehen und damit beispielsweise exzessives Fliegen zu rechtfertigen und es ist beim besten Willen einfach nicht nötig, jeden Tag eine Acai Bowl oder Avocados zu essen.

Wir müssen aufhören so zu tun, als dürfte man sich gegenseitig nichts mehr sagen und auf Dinge hinweisen, die potentiell eine sehr grosse Wirkung haben, nur um niemandem «auf die Füsse zu treten» oder Konfrontation aus dem Weg zu gehen.

Die Welt hat definitiv keine Zeit für unser Wegschauen.

Es gibt ein paar spannende Punkte, die wir im folgenden Text wissenschaftlich zusammen anschauen:

  • Wie schädlich sind Avocados?
  • Vergleich tierische vs. pflanzliche Proteinquellen
  • Wie relevant / irrelevant sind Transportwege eines Lebensmittels?
  • Wie nachhaltig ist bio und lokal?
  • Welches ist die klimafreundlichste Ernährung?

Lasst uns bei den Avocados starten. Wie umweltschädlich sind sie?

Es gibt wohl keine Zeitung, die sich nicht schon negativ über Avocados ausgelassen hat. Von selbsternannten «Antiveganer» werden sie oft mit der Randnotiz in die Runde geworfen, dass pflanzlich essen ja gar nicht SO nachhaltig sei. Der Satz, der mit “Aber Avocados…!” startet.

Schauen wir uns mal an, wie problematisch Avocados sind:

Das grösste ökologische Problem bei Avocados liegt am hohen Wasserverbrauch. Oft werden sie in Regionen angebaut, in denen bereits Wasserknappheit herrscht, was negative Auswirkungen auf das lokale Ökosystem haben kann.

Zudem kommt, dass Avocados zum Teil mit dem Flugzeug transportiert werden, was ihre COBilanz im Vergleich zum Schiff nochmal erhöht. Da Avocados, sobald sie ihren Reifegrad überschritten haben, schnell kaputt gehen oder nicht mehr geniessbar sind, erreicht ein Teil der Früchte den Endkonsumenten nie, was unvermeidlich zu Foodwaste führt.

Es kann also ruhig gesagt werden. Avocados sind keine klimafreundlichen Früchte.

Wer Avocados zu Recht kritisiert und trotzdem noch Fleisch isst, möge sich das untere Diagramm anschauen. Hier wird der CO2 Ausstoss eines Steaks vom benachbarten Bauernhof mit Avocados aus Mexiko verglichen.

Grafik aber avocados

Diese Grafik zeigt auf, dass 200g Rindfleisch mehr CO2 verbraucht als 12 Avocados. Wichtig ist jedoch, dass man nicht nur den CO2-Verbrauch, sondern den gesamten ökologischen Impact eines Produktes misst. (Wasser- und Landverbrauch, Auswirkungen auf den Boden, usw.) Dazu mehr am Ende des Artikels.

Damit eine fundierte Aussage über klimafreundliche Ernährung gemacht werden kann, muss Gleiches mit Gleichem verglichen werden.

Protein muss mit Protein verglichen werden. Genauer gesagt, tierisches Protein mit pflanzlichem Protein.

Avocado ist eine Frucht. Sie liefert keinen nennenswerten Proteinanteil und ist deshalb kein adäquater Ersatz zu tierischem Protein.

Wer zu einer pflanzlichen Ernährung wechselt, kann seinen Proteinbedarf nicht mit Avocados oder Früchten decken. Statt Fleisch, Milchprodukten, Fisch oder Eiern, werden pflanzliche Proteinquellen wie Linsen, Bohnen, Tofu, Seitan usw. gegessen. (einen umfassenden Artikel zu Soja findet ihr hier.)

Im untenstehenden Diagramm[1] werden die gesamten CO2 Emissionen (inkl. gesamter Herstellungsprozess / Produktion und  Transport) von tierischen und pflanzlichen Proteinen, sowie handelsüblichen Produkten verglichen. 

vergleich

Screenshot 1. Full Lifecycle Greenhouse Gas Emissions from Common Proteins and Vegetables s. Quelle 1

Es ist ersichtlich, dass Lamm, Rindfleisch und Käse die höchsten Emissionen haben.

Bohnenprodukte (wie ganze Bohnen oder Tofu) sind über 13 Mal effizienter als Rindfleisch und über 3.5 Mal effizienter als Hühnchen. Im Vergleich zu Linsen setzt Rindfleisch gesamthaft sogar 26 Mal mehr COEmissionen frei.

Die untere Graphik des Guardian kommt auf die gleichen Schlüsse.[2])

3

Wenn man jegliche tierische Proteinquelle (Fleisch, Käse, Geflügel, Eier oder Fisch) mit einer pflanzlichen Proteinquellen (Bohnen, Linsen, Tofu, Erbsen oder auch Nüsse) vergleicht, ist die pflanzliche Proteinquelle immer effizienter.

Wir könnten ja alle lokal / regional essen… Lokal essen ist das Beste für die Umwelt oder?

Dieser Mythos kommt wohl von der lokalen Fleisch-und Milchwirtschaft , die viel Geld in Marketing investiert um uns dieses Bild zu vermitteln. Mittlerweile ist die Datenlage offensichtlich und die Öffentlichkeit lässt sich nicht mehr für blöd verkaufen.

Um dieses Thema differenziert anzuschauen, brauchen wir vorerst die folgenden wichtigen Informationen.

Der Gesamtenergieaufwand eines Nahrungsmittels kann in Produktion und Transport aufgeteilt werden, welche COtechnisch unterschiedlich ins Gewicht fallen. [3] Dabei macht die Produktion, also die Herstellung, den grössten Teil aus. In Zahlen heisst das:

83% des gesamten COAusstosses eines Lebensmittels, fällt aufgrund seiner Herstellung (Land, Wasser und allgemeiner Ressourcenverbrauch) an.

11% macht der Transport des Lebensmittels aus.

Der Rest des Gesamtaufwandes geht aufs Konto der so genannten “letzten Meile”. (Endlieferung vom Produzenten an den Einzelhandel.)

Das heisst, dass die überwiegende Mehrheit des COAusstosses eines Lebensmittels, in Produktion / Land und Wasserverbraucht und nicht im Transportweg steckt. Daher ist Fleisch aus dem Ausland nicht immer klimaschädlicher als “lokales” Fleisch. Wir erinnern uns, Transportwege machen nur 11% des COAusstosses aus.

Das Problem bei lokalen Produkten, ist der zum Teil schlechtere Yield. Schlechterer Yield bedeutet, dass an anderen Orten der Welt eventuell günstigere Wetterbedingungen herrschen oder effizienterere Landnutzung betrieben wird, die mehr Output für gleich viel Input (Fläche, Wasser, Ressourcen, etc.) hergibt. [5]  Wenn beispielsweise statt Gras eher Kraftfutter verfüttert und die Tiere auf weniger Platz gehalten werden, ist das zwar mehr Leid für die Tiere, aber weniger belastend für die Umwelt. [6]

Lokal einzukaufen macht umwelttechnisch absolut Sinn, wenn es sich um Produkte wie Früchte und Gemüse handelt, die gerade Saison haben.

Wenn es aber zum Vergleich kommt – Bohnen, welche um die ganze Welt transportiert wurden vs. lokal produziertes Fleisch – sind Bohnen in jedem Fall klimafreundlicher.
 

Die Wissenschaft ist sich einig: Wer nur schon einen Tag der Woche die Kalorien aus tierischen Produkten mit Kalorien aus pflanzlichen Produkten ersetzt, hat mehr COreduziert, als jemand der sein ganzes Essen nur lokal bezieht. Ein anschaulicher Vergleich dafür, bietet die untere Grafik, welche verschiedene Ernährungen in CO2 Äqivalenten pro Tag und pro Person aufzeigt.  

Vergleich in C02 %C3%84qivalenten pro Person pro Tag

Sind tierische Bioprodukte ökologisch besser? Biofleisch, Biomilch, Bioeier etc.

Wir beginnen mit einfacher Mathematik, um das Ganze zu veranschaulichen.

Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benö­tigt man 7–16 kg Getreide oder Sojabohnen als Nahrung für die Tiere und mehrere 1000 Liter Wasser. Bei der «Umwandlung» von Getreide zu Fleisch, gehen durch diese künstliche Verlängerung der Nahrungskette, 90% der Kalorien verloren. Ein sehr ineffizienter Prozess.

Schliesslich ergeben 10 kg Getreide noch gerade mal 450g konventionelles, genussfertiges Rindfleisch.

Bei biologisch hergestellten tierischen Produkten ist der Input-Output sogar noch ineffizienter.

Tierische Produkte aus biologischer Haltung haben eine tiefere FCR (feed coversion ratio = Futterverwertung), durch grösseren Auslaufraum und einen geringeren Kraftfutteranteil. [7] Ausserdem brauchen sie mehr Wasser, stossen mehr Methan aus und brauchen mehr Platz.

cow Kopie

Platz den wir sowieso nicht haben, weil bereits jetzt 30 % (!) der gesamten Erdoberfläche (die nicht aus Eis besteht) für die Nutztierhaltung gebraucht wird. [8]

Auf den Punkt gebracht: Biofleisch, Biomilchprodukte und Bioeier sind generell schädlicher fürs Klima, als tierische Produkte aus konventioneller Haltung. Dies soll natürlich kein Ansporn für den Konsum von tierischen Produkten aus konventioneller Haltung sein, sondern (hoffentlich) eher dazu motivieren, mehr tierische Proteine durch Linsen, Bohnen, Tofu oder andere pflanzliche Proteine zu ersetzten. ?

Was können wir für eine klimafreundliche Ernährung tun?

Untersuchungen vom Worldwatch Institute gehen davon aus, dass die Nutztierhaltung (biologisch und konventionell) bis zu 51% der weltweiten Treibhausgasemissionen ausmacht.

Der Nutztiersektor erzeugt also mehr COals der gesamte weltweite Verkehr, inkl. Flugzeuge, Autos, usw. Einen ausführlichen Artikel zu dazu findet ihr hier. Umweltverschmutzung durch die Nutztierhaltung [9] 

Forscher der Oxford Universität haben herausgefunden, dass der Umstieg auf eine vegane Ernährung der effizienteste Weg ist, den eigenen CO2 Ausstoss zu minimieren und somit fatale Folgen fürs Klima zu verhindern.  [10] 

Für eine nachhaltige, klimafreundliche Ernährung, sollten wir so wenig Fleisch, Fisch, Milch und Eier wie möglich essen.

Damit man sich als Gesellschaft weiterentwickeln und in eine nachhaltigere Richtung gehen kann gehört dazu, dass man Diskussionen hat und Fakten als Fakten akzeptiert. Das beinhaltet, dass man einander auf den hohen Wasserverbrauch von Avocados hinweist und bei den ökologischen Folgen vom Konsum tierischer Produkte nicht wegschaut oder weghört.

Es ist relativ einfach, Plastikstrohhalmen den Kampf anzusagen und ab und zu das Fahrrad statt das Auto zu nutzen. (Nicht, dass diese Sachen nicht auch wichtig sind.) Wie ernst wir es mit dem Klimaschutz meinen, zeigen wir jedoch dann, wenn wir mit unseren Essgewohnheiten konfrontiert werden – und sie entsprechend hinterfragen und anpassen.

Aus der Oxford Studie vom Englischen ins Deutsche übersetzt:

“Eine vegane Ernährung ist der effektivste Weg, um die Auswirkungen auf den Planeten Erde zu reduzieren, nicht nur bezüglich den Treibhausgasen, sondern auch der globalen Versauerung, Eutrophierung, Land- und Wassernutzung.

Der Impact ist viel größer, als die Reduzierung von Flügen oder den Kauf eines Elektroautos, was nur die Treibhausgasemissionen reduzieren würde.

Die Vermeidung des Konsums von tierischen Produkten bringt weitaus bessere Umweltvorteile als der Versuch, nachhaltiges Fleisch und Milchprodukte zu kaufen.”

sam moqadam zZp dJIS cM unsplash

 -Fazit…aber Avocados:

Veganer können absolut bessere und schlechtere Entscheidungen in ihrem Konsumentenverhalten treffen. Wie Fliegen statt Zugfahren, Mandelmilch statt Hafer- oder Sojamilch.

Trotzdem ist es wichtig anzuerkennen, dass der grösste Beitrag am Ausstoss von CO2, von der Nutztierhaltung (biologisch und konventionell) stammt. Je weniger tierische Produkte konsumiert werden, desto mehr schützt man das Klima.

Auch im Vergleich: Bohnen, welche um die ganze Welt transportiert werden vs. lokal produziertes Fleisch –  Bohnen sind in jedem Fall klimafreundlicher. Zusammenfassend heisst das konkret, wir sollten tierische Proteine mit pflanzlichen Proteinen wie Linsen, Bohnen, Tofu, Seitan, usw. ersetzten.

Es macht dann Sinn, saisonal und lokal einzukaufen, wenn es sich um leicht verderbliche Produkte wie Obst und  Gemüse handelt. Für alles andere (Fleisch, Trockenware, usw.) macht es einen minimalen Unterschied oder ist je nachdem sogar ineffizienter.

Natürlich ist ein Flug schlimmer als ein Steak aber in der Menge, in der wir tierische Produkte essen und solange der Konsum von tierischen Produkten so normalisiert und alltäglich ist, wird der COAusstoss – bedingt durch unsere Ernährung – bei 51% der gesamten Emissionen bleiben.

Veganismus ist nachweislich die effektivste Art den eigenen ökologischen Fussabdruck zu minimieren. Viel effektiver, als andere «grüne» Sachen wie Recyclen, Plastikstrohalme verbieten oder ab und zu den ÖV nutzen.

Heisst das nun wir dürfen nonstop fliegen und alles mehrfach in Plastik wickeln, solange wir vegan Essen?

Selbstverständlich nicht.

Aber im Interesse von uns allen, sollten wir statt den Kopf in den Sand zu stecken oder Veganer zu beschimpfen, weil sie (auch) ab und zu eine Avocado essen, endlich unseren Konsum von tierischen Produkten überdenken. Solange Fleisch, Milchprodukte, Fisch und Eier täglich in irgendeiner Form auf unserem Speiseplan stehen, kommen wir, was Klimaschutz angeht, nirgendwo hin.

Es ist vor allem wichtig, nicht einen Schritt rückwärts zu machen und mit falschen «Fakten» um sich zu werfen, um den Konsum von tierischen Produkten schön zureden.

Oder wie Aldous Huxley sagte: «Tatsachen schafft man nicht aus der Welt, indem man sie ignoriert.»

Die gute Nachricht ist, dass pflanzliche Proteinquellen wie Bohnen, Linsen, usw. nicht nur klimafreundlich – sondern auch unglaublich gesund, lecker und günstig sind.

Win-Win-Win, oder?

v2osk c9OfrVeD tQ unsplash

Lust auf Bohnen und Linsen?

Wir haben zwei fantastische Rezepte die in unter 30 Minuten zubereitet sind: Herzhaftes Chili sin Carne oder das Linsendal mit Tomate und Kokos

Alessia

[1] Grafik Vergleich von tierischen und pflanzlichen Proteinen und weiteren handelsüblichen Produkten: https://www.ewg.org/meateatersguide/a-meat-eaters-guide-to-climate-change-health-what-you-eat-matters/climate-and-environmental-impacts/

[2] Oxford Studie: https://josephpoore.com/Science%20360%206392%20987%20-%20Accepted%20Manuscript.pdf, von Joseph Poore und T. Nemeek, 2019. 

[3] Food-miles and the relative climate impacts of food choices in the United States: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18546681

[4] s. Quelle 3

[5] Most Emissions from Meat, Dairy and Fish Consumption Occur during Production : https://www.ewg.org/meateatersguide/a-meat-eaters-guide-to-climate-change-health-what-you-eat-matters/climate-and-environmental-impacts/

[6] Is local food better ? Worldwatch Institute: http://www.worldwatch.org/node/6064

[7] Is grass-fed beef good or bad for the climate? http://www.ox.ac.uk/news/2017-10-03-grass-fed-beef-good-or-bad-climate

[8] 30% of our ice free land use used by animal agriculture: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5655935/

[9] Dietary greenhouse gas emissions of meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans in the UK: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4372775/

[10] Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers : https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987

[11]Avoiding meat and dairy is ‘single biggest way’ to reduce your impact on Earth : Joseph Poore, Oxford UK. The Guardian

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